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Eisenbahn-Gaststätte im Bahnhof Kühlungsborn Ost
Erlebnis-Gaststätte

Salonwagen-Fahrten
Salonwagen mit Getränke-und Speiseangebot im Zug, verkehren: 05.04.12 - 31.10.12


Wagen Nr. 990-303

Reko-Wagen 990-303 im Zugverband auf dem Bahnhof Kühlungsborn West

(hier ist die abweichende Lackierung mit den zusätzlichen Zierlinien deutlich sichtbar)

 

Geschichte, Technische Daten

  • gebaut 1925 in der Waggonfabrik Wismar
  • Besteller: Deutsche
  • Reichsbahn-Gesellschaft für die Strecke Doberan - Kühlungsborn 
  • ursprüngliche Nummer: 30, später 9030, ab ca. 1950 heutige Bezeichnung: 990-303
  • 11,750 m lang, 4 Achsen in 2 Drehgestellen
  • 2 offene Einstiegsplattformen mit Fallgittern
  • ursprüglich 36 Sitzplätze, als Traglastenwagen 29 Sitzplätze
  • Dampfheizung, elektrische Beleuchtung (Stromversorgung von der Lok)
  • ursprünglich: hölzerner Wagenkasten mit Blechverkleidung, typische Fallfenster mit Lederriemen, geknüpfte Gepäcknetze, Holzdach mit Dachoberlichtfenstern, Speichenradsätze, III. Klasse mit Holzlattensitzen, 2 Abteile Nichtraucher / Raucher, Mittelwand mit Schiebetür, bis 1930 Gasbeleuchtung
  • 1938 Einbau eines Traglastenabteils mit breiter Schiebetür
  • in den 60er Jahren: Einbau von Hartpolstersitzen bezogen mit grünem Kunstleder, Aluminium-Gepäckraufen und Demontage des gesamten Oberlichtkastens
  • bis Ende 1980 im oben genannten Zustand im regulären Zugdienst im Einsatz
  • 2/1981 grundlegende Rekonstuktion durch die DR (s.u.)
  • 5/1993 Umbau auf neue Scheibenradsätze und Rollenachslager

Modernisierung unumgänglich, das Reko-Programm der Deutschen Reichsbahn

Ab August 1980 wurden die Wagen des Molli in der damaligen Werkabteilung Perleberg des RAW Wittenberge modernisiert. Dabei wurden die alten hölzernen Wagenkästen mit den Fallfenstern komplett abgerissen. Erhalten blieb vom ursprünglichen Wagen vom Prinzip nur noch das Fahrwerk, bei einigen wie diesem auch noch das Holzdach, jedoch ohne den Oberlichtkasten. Es wurde eine neue Karosserie aus Stahlträgern und -blechen aufgebaut. Als Fenster kamen nun Thermoscheiben mit Gummiprofilen zum Einbau, im oberen Teil konnte nur noch ein kleines Klappfenster geöffnet werden. Auch die gesamte Inneneinrichtung wurde erneuert, sie war danach zwar wartungsfreundlich aber spartanisch anzusehen: Sitzbänke aus Stahlrohrgestellen mit kunstlederbezogenen Schaumstoff-Sitzflächen, Wandverkleidungen aus Sprelacard-Platten. Die Mittelwand mit der Schiebetür entfiel vollständig, wodurch ein recht ungemütlicher Großraum entstand. Die Stirnwandtüren bestanden jetzt aus Aluminium. Die Messinglampen wurden gegen DR-Standard-Leuchten ausgetauscht. Die Heizungen waren mit einfachen abgekanteten Blechen verkleidet. Die allerersten Wagen besaßen zunächst noch die ursprünglichen Bühnenfallgitter mit den Kugelrastverschlüssen. Später ersetzte man diese durch die heutigen einfachen Fallbügel.

Diese Rekonstruktion der Wagen war unumgänglich, um die sehr alten und stark verschlissenen Fahrzeuge auch zukünftig wirtschaftlich und sicher einsetzen zu können. Die Beschaffung von Neubauwagen aus bulgarischer Produktion hatte die DR vermutlich aus Kostengründen nicht realisiert.

Ab 1990 wurden dann auch die Fahrwerke einer Modernisierung unterzogen. Man ersetzte die Speichenradsätze durch Neubauten mit Scheibenrädern. Zugleich wurden wartungsfreie Rollenachslager eingebaut, womit das häufige nachölen der Lager entfallen konnte. Allerdings wurde diese Maßnahme nicht konsequent umgesetzt, vermutlich waren nicht ausreichend Teile zum Umbau verfügbar oder die Finanzen wurden nicht genehmigt. So waren 1995 erst etwa 50% der Wagen mit Rollenlagern ausgerüstet. Die MBB Molli vollendete dann den gesamten Umbau.

Rekowagen dieser einheitlichen Bauform gehörten bald auf allen Schmalspurstrecken der DR zum täglichen Bild. An die alte Zeit erinnerten dann nur noch einige wenige erhalten gebliebene historische Wagen.

 

Umgestaltung bei der MBB Molli, Erlebniswert ist gefragt!

Zum Zeitpunkt der Privatisierung des Molli waren die ersten Reko-Wagen immerhin bereits 15 Jahre im Einsatz. Besonders die Inneneinrichtung wirkte abgewirtschaftet und verschlissen. Für eine Bahn die als touristische Attraktion von ihrem hohen Erlebniswert lebt, war dieses Interieur dem Fahrgast kaum zuzumuten, zumal der Fahrpreis auch höher ist als im Nahverkehrstriebwagen oder Bus. So wurde ein Konzept entwickelt, um im Zuge der planmäßig auszuführenden Hauptuntersuchungen der Fahrzeuge eine umfassende Neugestaltung des Fahrgastraumes vornehmen zu lassen. Aus Kostengründen kam ein Rückbau in den Ursprungszustand der Fahrzeuge nicht in Betracht, es wurden jedoch gestalterische Anleihen genommen. Da auch die Karosserien, hierbei insbesondere die Außenlackierung, die Dachbeläge, die Heizung und die E-Anlage umfangreicher Arbeiten bedurften und die verbliebenen 50% der Fahrzeuge ihre neuen Radsätze mit Rollenlagern erhalten sollten, ergab sich ein umfangreiches Investitionsprogramm, was zwischen 1998 und 2003 an 25 Sitzwagen durchgeführt wurde. Der Wagen 990-303 bildete hierbei die einzige Ausnahme. Die Aufarbeitung des Wagenkastens einschließlich Einbau von neuer E-Anlage, Isolation, Dachhaut und einem neuen Fußbodenbelag erfolgte bei der MBB Molli. Eine Besonderheit an diesem Fahrzeug war der Umbau des Fahrgastraumes. Durch ABM-Kräfte wurden hölzerne Wandvertäfelungen und Fensterrahmen, eine hölzerne Mittelwand mit Schiebetür sowie ein komplettes hölzernes Sitzgestühl angefertigt und eingebaut. Somit ähnelt der Wagen im Innenraum sehr den historischen Wagen. Entsprechend wurde auch eine besondere Außenlackierung mit zusätzlichen Zierlinien angebracht. Natürlich gehören auch nachgebaute Messinglampen zur Ausgestaltung. In diesem Das traglastenabteil blieb erhalten. In diesem Zustand wird der Wagen regelmäßig im Plandienst verwendet und erfreut sich bei den Fahrgästen besonderer Beliebtheit.

Auf Grund seiner Ausstattung und seines äußeren Erscheinungsbildes kann er auch als Verstärkerwagen für den 100-jährigen Zug verwendet werden, wenn besonders hohes Aufkommen bei Sonderfahrten zu erwarten ist.

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Bilder des Wagens:



Innenansicht des Wagens 990-303
mit Holzlattensitzen, Mittelwand und den herrlichen hölzernen Wandvertäfelungen nach der aufwändigen Sanierung und Umgestaltung durch die MBB Molli

 

Fotos von der grundlegenden Aufarbeitung der Wagen:



Im Ausbesserungswerk VIS Halberstadt warten 2 Molli-Wagen und 2 Wagen der RüKB auf den Beginn der Arbeiten



Ein Molli Wagen in der Sandstrahl-Kabine des Ausbesserungswerkes VIS Halberstadt



Die neuen Radsätze und die Drehgestellrahmen warten auf die Montage



Ein Wagenkasten nach der Lackierung im Montagestand des Ausbesserungswerkes VIS Halberstadt



2 Molli-Wagen sind fertig zur Abnahme in der Montagehalle des Werkes VIS Halberstadt



Die aufgearbeiteten Wagen wurden per LKW angeliefert und z.T. mittels Autokran abgeladen

 

 

Rückblick:

Fotos vor der Umgestaltung der Wagen durch die MBB Molli



So präsentierten sich die Wagen vor der Umgestaltung und Generalreparatur durch die MBB Molli: verschlissen und im allgegenwärtigen Grün-Farbton



Ein Molli-Wagen mit Holzdach im Zustand 1995: ohne schwarze Zierlinien, technische Anschriften unten auf der Seitenwand

 

Historische Fotos des Wagens:



Ende der 70er Jahre hatte der Wagen schon keinen Dachoberlichtaufbau mehr.
Foto: Slg. R. Dröse

 

Alle Fotos dieser Seite, sofern nicht anders bezeichnet,

von Jan Methling (MBB Molli).

Verwendung für kommerzielle Zwecke nur nach Zustimmung des Bildautors!


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