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Eisenbahn-Gaststätte im Bahnhof Kühlungsborn Ost
Erlebnis-Gaststätte

Salonwagen-Fahrten
Salonwagen mit Getränke-und Speiseangebot im Zug, verkehren: 05.04.12 - 31.10.12


Wagen Nr. 990-003

Reko-Wagen 990-003 im Zugverband auf dem Bahnhof Kühlungsborn West

 

 

Geschichte, Technische Daten

  • gebaut 1930 in der Waggonfabrik Wismar
  • Besteller: Deutsche Reichsbahn Gesellschaft für die Strecke Doberan - Kühlungsborn 
  • ursprüngliche Nummer: 72, später 9072, ab ca. 1950 heutige Bezeichnung: 990-003
  • 11,50 m lang, 4 Achsen in 2 Drehgestellen, ursprünglich Speichenräder
  • 2 geschlossene Einstiegsplattformen mit Klapptüren
  • 30 Sitzplätze
  • Dampfheizung, elektrische Beleuchtung (Stromversorgung von der Lok)
  • Wagenkasten vollständig aus Metall (teils genietet, teils geschweißt)
  • ursprünglich: rechteckige Fallfenster, geknüpfte Gepäcknetze;
  • II. Klasse mit Stoffpolstersitzen, 2 Abteile Nichtraucher / Raucher, Mittelwand mit Schiebetür
  • mit Abschaffung der 3. Wagenklasse 1956 rückte der Wagen von der 2. in die 1. Klasse auf
  • 1968 Wegfall der 1. Klasse beim Molli, Einstufung in die 2. Klasse
  • bis Ende 1981 im oben genannten Zustand im regulären Zugdienst im Einsatz
  • 3/1982 grundlegende Rekonstuktion durch die DR (s.u.)
  • 1985 Umbau der Ferdern (Wegfall der Schraubenfedern)
  • 5/1992 Umbau auf Rollenachslager

Letzte Wagen-Neubeschaffung

 

Die letzten für den Molli neu beschafften Reisezugwagen bildeten die vier 1930 gelieferten sogenannten Einheitswagen. Sie waren aus den einheitlichen Nebenbahn-Reisezugwagen der Regelspur abgeleitet, vollständig aus Metall und bereits teilweise geschweißt. Durch die geschlossenen Bühnen mit Klapptüren, das Blechdach mit den Wendler-Lüftern, die 5-fenstrige Ausführung und die 2. Wagenklasse bildeten sie in jeder Hinsicht eine Besonderheit im Fahrzeugpark. Aber auch hier gab es 2 Abteile mit einer dazwischenliegender Schiebetür. Die Sitzplatzzahl betrug hier 30 gegenüber sonst üblichen 36 Plätzen. Zur Erhöhung des Fahrkomforts waren in den Drehgestellen zusätzliche Schraubenfedern eingebaut. Wohl wegen der geringeren Nachfrage an 2. Klasse-Plätzen wurden 1933/34 zwei Wagen in 2./3.-Klasse-Wagen umgebaut. Dadurch gab es nur noch 12 Plätze 2. und 18 Plätze 3. Klasse. 1933 wurde noch ein Post-Gepäckwagen im gleichen Baustil (jedoch nur mit einer geschlossenen Bühne) geliefert. 

Das typische Zugbild der 60er und 70er Jahre zeigte immer einen dieser Wagen in jedem Zugverband direkt hinter dem Gepäckwagen, sicherlich, weil das Zugpersonal auf das Schließen der Türen achten musste. Mit Abschaffung der 3. Wagenklasse 1956 rückten die Fahrzeuge von der 2. in die 1. Wagenklasse auf, diese wurde dann aber 1968 beim Molli wieder abgeschafft und alle Züge hatten nur noch die 2. Wagenklasse. Leider ist es nicht gelungen, einen der ehemaligen 1. Klasse-Wagen für den historischen Zug zu erhalten, 6/82 wurde mit 990-002 das letzte Fahrzeug rekonstruiert. Dabei wurden übrigens die einheitlichen Reko-Wagenkästen so angepasst, dass die Fahrzeuge heute auch 6 Seitenfenster und somit 36 Sitzplätze haben.

Modernisierung unumgänglich, das Reko-Programm der Deutschen Reichsbahn

Ab August 1980 wurden die Wagen des Molli in der damaligen Werkabteilung Perleberg des RAW Wittenberge modernisiert. Dabei wurden die gesamten alten Wagenkästen komplett abgerissen. Erhalten blieb vom ursprünglichen Wagen vom Prinzip nur noch das Fahrwerk (Rahmen und Dregestelle). Es wurde eine neue Karosserie aus Stahlträgern und -blechen aufgebaut. Als Fenster kamen nun Thermoscheiben mit Gummiprofilen zum Einbau, im oberen Teil konnte nur noch ein kleines Klappfenster geöffnet werden. Auch die gesamte Inneneinrichtung wurde erneuert, sie war danach zwar wartungsfreundlich aber spartanisch anzusehen: Sitzbänke aus Stahlrohrgestellen mit kunstlederbezogenen Schaumstoff-Sitzflächen, Wandverkleidungen aus Sprelacard-Platten. Die Mittelwand mit der Schiebetür entfiel vollständig, wodurch ein recht ungemütlicher Großraum entstand. Die Stirnwandtüren bestanden jetzt aus Aluminium. Die Messinglampen wurden gegen DR-Standard-Leuchten ausgetauscht. Die Heizungen waren mit einfachen abgekanteten Blechen verkleidet. Die Sicherung der Bühnen erfolgte mit einfachen Fallbügeln aus Rohrmaterial. Die geschlossenen Einstiegsplattformen der Eiheitswagen entfielen im Zuge der Modernisierung. Man passte die Fahrzeuge den anderen Wagen weitestgehend an. Die kürzere Länge führte zu einem etwasgeringeren Fenster- und Sitzabstand. Äußerlich sind die 4 ehemaligen Einheitswagen heute nur noch an den außenliegenden Rahmenlängstträgern zu erkennen.

Diese Rekonstruktion der Wagen war unumgänglich, um die sehr alten und stark verschlissenen Fahrzeuge auch zukünftig wirtschaftlich und sicher einsetzen zu können. Die Beschaffung von Neubauwagen aus bulgarischer Produktion hatte die DR vermutlich aus Kostengründen nicht realisiert.

Ab 1990 wurden dann auch die Fahrwerke einer Modernisierung unterzogen. Man ersetzte die Speichenradsätze durch Neubauten mit Scheibenrädern. Zugleich wurden wartungsfreie Rollenachslager eingebaut, womit das häufige nachölen der Lager entfallen konnte. Allerdings wurde diese Maßnahme nicht konsequent umgesetzt, vermutlich waren nicht ausreichend Teile zum Umbau verfügbar oder die Finanzen wurden nicht genehmigt. So waren 1995 erst etwa 50% der Wagen mit Rollenlagern ausgerüstet.

Rekowagen dieser einheitlichen Bauform gehörten bald auf allen Schmalspurstrecken der DR zum täglichen Bild. An die alte Zeit erinnerten dann nur noch einige wenige erhalten gebliebene historische Wagen. Ein Einheitswagen gehört aber leider nicht dazu.

 

Umgestaltung bei der MBB Molli, Erlebniswert ist gefragt!

Zum Zeitpunkt der Privatisierung des Molli waren die ersten Reko-Wagen immerhin bereits 15 Jahre im Einsatz. Besonders die Inneneinrichtung wirkte abgewirtschaftet und verschlissen. Für eine Bahn die als touristische Attraktion von ihrem hohen Erlebniswert lebt, war dieses Interieur dem Fahrgast kaum zuzumuten, zumal der Fahrpreis auch höher ist als im Nahverkehrstriebwagen oder Bus. So wurde ein Konzept entwickelt, um im Zuge der planmäßig auszuführenden Hauptuntersuchungen der Fahrzeuge eine umfassende Neugestaltung des Fahrgastraumes vornehmen zu lassen. Aus Kostengründen kam ein Rückbau in den Ursprungszustand der Fahrzeuge nicht in Betracht, es wurden jedoch gestalterische Anleihen genommen. Da auch die Karosserien, hierbei insbesondere die Außenlackierung, die Dachbeläge, die Heizung und die E-Anlage umfangreicher Arbeiten bedurften und die verbliebenen 50% der Fahrzeuge ihre neuen Radsätze mit Rollenlagern erhalten sollten, ergab sich ein umfangreiches Investitionsprogramm, was zwischen 1998 und 2003 an 25 Sitzwagen durchgeführt wurde. Dabei wurden folgende Arbeiten ausgeführt:

Karosserie kpl. sandgestrahlt, Neulackierung 3 farbig mit schwarzen Zierlinien ähnlich der früheren Farbgebung der Altbauwagen;

Holzdächer mit Kunststoffschweißbahnen neu eingedeckt;

Rahmen, Drehgestelle, Bremse, Zug- und Stoßeinrichtung, Fenster und Schiebetüren kpl. aufgearbeitet;

Austausch aller Speichenradsätze und Gleitachslager durch neue Scheibenradsätze mit Rollenachslagern;

E-Anlage und Wandisolierung kpl. erneuert;

Heizung aufgearbeitet, neue Heizungsverkleidungen (oben abgeschrägt) angebracht;

neue Innenwandverkleidungen aus Kunststoffplatten mit Holzdekor sowie eine Mittelwand ohne Schiebetür eingebaut;

Deckenverkleidung aus Holzleisten;

Sitze mit weinrotem Kunstleder neu bezogen, Sitzgestelle schwarz lackiert;

neue Deckenlampen eingebaut: Nachbau historischer Messinglampen;

Einbau robuster Abfallbehälter mit stabiler Befestigung;

Gepäckraufen, Fensterrahmen und Türen innen in oxidrot lackiert;

neuer Fußbodenbelag verlegt;

Einbau von Leistenrahmen für Plakate.

Nach dieser grundlegenden Sanierung zeigen sich die Wagen heute in einem attraktiven und angenehmen Ambiente. Durch die warmen Farben, das Holzdekor und die Mittelwand entsteht eine gewisse Gemütlichkeit, die bei den Fahrgästen sehr gut ankommt. Durch die regelmäßige Pflege in der Waschanlage sehen die Wagen auch von außen stets sehr schmuck aus.

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Bilder des Wagens:



Die Seitenansicht zeigt, den außenliegenden Langträger. Sonst unterscheidet sich der Wagen nicht von den anderen Reko-Wagen.



Innenansicht des Wagens 990-003
2. Klasse mit Polstersitzen aus weinrotem Kunstleder
nach der grundlegenden Sanierung und Umgestaltung durch die MBB Molli

 

 

Rückblick:

Fotos vor der Umgestaltung der Wagen durch die MBB Molli



So präsentierten sich die Wagen vor der Umgestaltung und Generalreparatur durch die MBB Molli: verschlissen und im allgegenwärtigen Grün-Farbton

 

 

Historische Fotos des Wagens



Wagen 990-003 Ende der 70er Jahre auf dem Bf. Bad Doberan.
Foto: Slg. R. Dröse



Auf diesem Foto ist die geschlossene Bühne mit den seitlichen Klapptüren gut zu erkennen, für Schmalspurwagen ein seltener Anblick.
Foto: Slg. R. Dröse



Eine weitere Besonderheit der ehemaligen 1.Klasse-Wagen waren die zusätzlichen Sekundärfedern (Schraubenfedern) an den Drehgestellen, die den Reisekomfort erhöhen sollten. Die DR hat sie bei diesem Wagen 1985 ausgebaut.
Foto: Slg. R. Dröse



Selten sind Farbfotos aus den 70er Jahren. Hier steht der Wagen 990-003 auf dem Bf. Bad Doberan als Schadwagen wegen einer defekten Fensterscheibe (vorn in der Tür).
Foto: Slg. R. Dröse

 

Alle Fotos dieser Seite, soweit nicht anders benannt

von Jan Methling (MBB Molli).

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