Wagen Nr. 990-307
Ein historischer Reisezugwagen der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli im Stile der Deutschen Reichsbahn Anfang der 60er Jahre
Geschichte, Technische Daten
- gebaut 1925 in der Waggonfabrik Gotha- Besteller: Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft für die Strecke Doberan - Kühlungsborn
- 11,750 m lang, 4 Achsen in 2 Drehgestellen
- hölzerner Wagenkasten mit Blechverkleidung
- typisch: Fallfenster mit Lederriemen, offene Bühnen mit Fallgittern, Dachoberlicht, Speichenradsätze
- 36 Sitzplätze, III. Klasse mit Holzlattensitzen, ehemalige Wagengattung C 4 i
- 2 Abteile Nichtraucher / Raucher, Mittelwand mit Schiebetür
- Dampfheizung, ursprünglich Gasbeleuchtung, ab ca. 1930 elektrische Beleuchtung
- ursprüngliche Nummer: 28, später 9028, nach 1945 neue Nummer: 990-307
- bis etwa 1982/83 im regulären Zugdienst im Einsatz
Besonderheiten
- bis 1962 Holzlattensitze, 1963 Hartpolstersitze neu eingebaut
- 1965 Abfallbehälter neu eingebaut und Alu-Gepäckraufen schon vorhanden
- 1965 Übergangsbrücken lt. Verbesserungsvorschlag eingebaut
- 1969 waren die Oberlichtfenster schon mit Blechen abgedeckt um die Wartung zu vereinfachen
Zwischen 1981 und 1983 erfolgte vermutlich aus bürokratischen Gründen ein Nummerntausch, tatsächlich handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Wagen 990-209, der vermutlich wegen des besseren Gesamtzustandes als Traditionswagen 990-307 [T] im Originalzustand erhalten blieb und der tatsächliche Wagen 990-307 die Nr. 990-209 erhielt und modernisiert wurde. So ist das plötzliche Vorhandensein eines niedrigen Rahmens mit Sprengwerk zu erklären, welches nur bei Wagen der Baujahre 1911 – 14 üblich war.
Der Modernisierung entgangen
Ab August 1980 wurden die Wagen des Molli modernisiert. Dabei wurden die alten hölzernen Wagenkästen mit den Fallfenstern komplett abgerissen und durch Neubauten aus Stahl mit Klappfenstern ersetzt. Auch die gesamte Inneneinrichtung wurde erneuert, sie war danach zwar wartungsfreundlich aber spartanisch anzusehen. Diese Maßnahme war unumgänglich, um die stark verschlissenen Wagen zukünftig wirtschaftlich und sicher weiter einsetzen zu können.
Um dem Denkmalcharakter der Bahn gerecht zu werden, sollten einige Wagen im Originalzustand erhalten bleiben und später in einem sogenannten Traditionszug an frühere Zeiten erinnern. Zu diesem Zweck wurde auch der Wagen 990-307 ausgewählt. Die Anfang der 90er Jahre erfolgte Modernisierung der Radsätze und Achslager konnte durch die MBB in Form eines Drehgestelltausches rückgängig gemacht werden. Damit präsentiert sich der Wagen heute im Zustand der frühen 60er Jahre und dokumentiert als einziges Fahrzeug diese Zeitepoche.
Restaurierung
- 1/86 Freilegung der Oberlichtfenster und Einbau der Scheiben
- 9/93 bei der letzten R3-Untersuchung durch die DR unglücklicherweise auf Rollenachslager und neue Radsätze umgebaut, dadurch Verlust der originalen Gleitlager und der Speichenradsätze
- 1999 Drehgestelltausch mit Wagen 301, somit wieder Speichenräder mit Gleitlagern
- 2000 letzte Fristverlängerung, ab 2001 nach Fristablauf abgestellt mangels Bedarf
- Herbst 2003 Beginn der Restaurierung, dabei sollte das Fahrzeug im Zustand der frühen 60er Jahre erhalten bleiben, also nicht in den Anlieferungszustand mit Holzvertäfelung und Holzlattensitzen zurückversetzt werden, um auch diese Epoche zu dokumentieren
- Demontage der Außenbeblechung, Reparaturen, Montage- Reparaturen am hölzernen Gerippe des Wagenkastens und an den Vordächern
- Ausbesserung der Dachbretter, Reparaturen an den Bühnendächern, Erneuerung der seitlichen Tropfleisten, Neueindeckung des Daches
- komplette Demontage der Inneneinrichtung, der Fenster und Türen zur Aufarbeitung
- Neuverglasung der Fenster, Aufarbeitung der hölzernen Druckrahmen, neue Lederriemen
- Reparatur der Fußbodenbretter, Erneuerung des Fußbodenbelages
- teilweise Erneuerung und komplette Neulackierung der Wandverkleidungsplatten- Aufarbeitung und Montage der Bestuhlung, Heizung, E-Anlage, Deckenleuchten
- bis auf die Alu-Gepäckraufen, welche durch nach alten Vorlagen neu angefertigte geknüpfte Gepäcknetze mit Gusskonsolen ersetzt wurden, kamen alle originalen Teile wieder zum Einbau
- Durchführung einer Fahrwerks-Hauptuntersuchung, Drehgestelle mit Radsätzen, Zug- und Stoßeinrichtung sowie die Bremsanlage wurden im Tschechischen Ausbesserungswerk Pilsen untersucht und aufgearbeitet
- Sommer 2004 Fertigstellung des historischen Wagens 990-307
Beteiligte an der Restaurierung
Wagenwerkstatt der MBB Molli, Tischlerei Behrens & Partner, Fa. Pneutex, Fa. Schlutow, Fa. MOVO Pilsen, Fr. Stein, Hr. Baumgart
Bilder des Wagens:
Liebevoll restauriert,
die Details des Wagens
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Umfangreiche Arbeiten waren zur Restaurierung des Fahrzeuges notwendig
Alle Fotos dieser Seite
von Jan Methling (MBB Molli).
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