Wagen Nr. 17
Geschichte:
- 1914 gebaut, Waggonfabrik Wismar
- Besteller: Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn für die Strecke Doberan –Kühlungsborn
- 11,85 m lang, 4 Achsen, typisch: offene Bühnen mit Fallgittern, Dachoberlicht, Speichenradsätze
- 36 Sitzplätze, III. Klasse mit Holzlattensitzen
- hölzerner Wagenkasten mit Blechverkleidung
- Gasbeleuchtung, ab ca. 1930 elektrische Beleuchtung
- Dampfheizung, da ab 1910 ganzjähriger Betrieb auf der Strecke
- nach 1945 neue Nummer: 990-206
- 1982 Auswahl von 4 Sitzwagen für einen künftigen Traditionszug, Wagen 17 war nicht dabei
- 1/1983 alter Wagenkasten wird in Kühlungsborn abgehoben, sollte Domizil für einen Modelleisenbahnclub werden, stand dann jahrelang ungenutzt an der alten Laderampe
- 5/1983 der Rest des Wagens wird grundlegend modernisiert: kpl. neuer Wagenkasten aus Metall, neue pflegeleichte Innenausstattung mit Wandplatten aus Sprelacard, Kunstledersitze auf Stahlrohrgestellen
- 1992 Bergung des alten Wagenkastens, Abstellung im Wagenschuppen auf einem Güterwagenfahrgestell
- 1994 der Reko-Wagen 990-206 wird wegen bevorstehender Privatisierung des Molli nicht mehr auf Rollenachslager und neue Radsätze umgebaut
- bis 1998 als Reko-Wagen bei MBB Molli im Einsatz, dann Abstellung wegen Fristablauf
- 1999 Rahmentausch mit Wagen 990-205 für den Aufbau eines Salonwagens
- 2001 Beginn der Arbeiten zur Restaurierung
- August 2003 Fertigstellung des historischen Wagens Nr. 17, Einweihungsfahrt
Rückbau aus einem modernisierten Wagen
Um den ungenutzt herumstehenden alten hölzernen Wagenkasten von 990-206 zu retten, die vielen noch vorhandenen historischen Teile zu nutzen und den Molli-Traditionszug zu verstärken, wurde 1999 die Idee geboren, aus einem Reko-Wagen einen historischen Wagen zurückzubauen. Dazu wurde im Jahr 2000 ein Antrag auf Fördermittel der Landesdenkmalpflege gestellt, der aber abgelehnt wurde. 2001 wurde dann ein erneuter Antrag positiv beschieden. Das war das Startsignal für dieses anspruchsvolle Projekt, den Wagen Nr.17 möglichst originalgetreu auferstehen zu lassen.
Die Aufarbeitung
2001 Sicherung und Aufarbeitung des historischen Wagenkastens:
- komplette Erneuerung des Fußbodens und des Holzdaches mit Oberlichtkasten
- Teile der Holzkonstruktion und der Außenbeblechung neu, Aufarbeitung der übrigen Teile
- Neuanfertigung und Einbau von Teilen der hölzernen Innenverkleidung
2002 stand der Löwenanteil der Arbeiten an:
- Instandsetzung und Hauptuntersuchung von Rahmen, Drehgestellen, Speichenrädern und Gleitachslagern im Ausbesserungswerk Halberstadt
- Lackierung des Wagenkastens
- Decken des Daches
- Komplettierung der Innenwände und Türen
- Anfertigung und Einbau des hölzernen Sitzgestühls (z.T. vorhandene Teile)
- Polieren, Neuverglasen und Einpassen der typischen Fallfenster mit Messingrahmen und Lederriemen
- Reparatur und Komplettierung der nur unvollständig erhaltenen Heizung
- Aufstellung der Bühnenbrüstung
- Reparatur der alten Originalteile wie Fenster-Aufrollautomatiken, Bühnenfallgitter, Türschlösser, Messinglampen sowie Knüpfen der Gepäcknetze
- Anbringen der Bierlasur an den Innenwänden sowie der historischen Außenbeschriftung
- Ausstattung mit zahlreichen Details (z.T. Originalteile): Notbremsgriff, Heizungsregler, Gardinen, Email-Schildchen, Aschenbecher
Unser Dank gilt an dieser Stelle
Landesamt für Denkmalpflege Schwerin, Fördermittel für denkmalpflegerischen Mehraufwand
Wirtschaftsministerium M/V Schwerin, Fördermittel für Fahrzeug-Hauptuntersuchung
den Mitarbeitern der MBB-Werkstatt Bad Doberan: umfangreiche Montagearbeiten
Folgende Firmen waren beteiligt: Behrens & Partner: Tischlerarbeiten; Ott, Boguslawski: Metallbau, Jezorke: Sandstrahlen, Winkel: Glaserei, Pneutex: Dachbeschichtungen, Podbielski: Fußbodenbelag, Fahrzeug-Lack: Außenlackierung; Schlutow: Innenlackierung, Denkmalpflege GmbH: Gussteile, G. Baumgart: Farbdesign, Kamrath: Elektrik, DB AG-Fahrzeugbau Halberstadt: Fahrwerksinstandsetzung; Feuerwehr Kühlungsborn: Hubarbeiten sowie H. Kartaschewski: Lederarbeiten, A. Stein: Gepäcknetze, G. Matzek: Drechslerarbeiten;
Ganz besonders erwähnt werden muss an dieser Stelle jedoch der ehemalige Vorsitzende des Vereins zur Traditionspflege des Molli e.V. Hr. H.-U. Pfeiffer, der viele Einzelteile sicherstellte bzw. nachfertigen ließ, sich viel Wissen um die Historie aneignete und mit sehr viel Mühe, Sachverstand, Fleiß und Engagement an dem Projekt arbeitete und es zusammen mit Werkstattleiter B. Credo und Eisenbahnbetriebsleiter J. Methling zu diesem Erfolg führte.
Das Kuriosum mit der Wagennummer
Da prinzipiell der Rahmen eines Fahrzeuges bestimmend für dessen Betriebsnummer ist, wird der Wagen nach dem Rahmentausch mit dem Salonwagen offiziell als 990-205 in den Büchern geführt und hätte danach die historische Nr. 16. Da aber viele alte Teile wie Wagenkasten und Drehgestelle vom Wagen 990-206 stammen, wurde hier ein Kompromiss gefunden und am Wagenkasten die historische Anschrift „17“ angebracht.
zuletzt bearbeitet: 04.07.2011
Bilder des Wagens:
Liebevoll restauriert,
die Details des Wagens:
Alle Fotos auf dieser Seite sofern
nicht anders gekennzeichnet
von Jan Methling (MBB Molli).
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