Wagen Nr. 14
Geschichte, Technische Daten:
- 1911 gebaut, Waggonfabrik Wismar
- Besteller: Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn für die Strecke Doberan –Kühlungsborn
- 11,685 m lang, 4 Achsen in 2 Drehgestellen
- hölzerner Wagenkasten mit Blechverkleidung
- typisch: Fallfenster mit Lederriemen, offene Bühnen mit Fallgittern, Dachoberlicht, Speichenradsätze
- 36 Sitzplätze, III. Klasse mit Holzlattensitzen, ehemalige Wagengattung C 4 i
- 2 Abteile Nichtraucher / Raucher, Mittelwand mit Schiebetür
- ursprünglich Gasbeleuchtung, ab ca. 1930 elektrische Beleuchtung
- ursprüngliche Nummer: 14, später 9014, nach 1945 neue Nummer: 990-203
- bis 1981 im regulären Zugdienst im Einsatz
Besonderheiten
- Wagen hatte bei Anlieferung zunächst keine Bremse, nur Durchgangsleitung
- Einkammerbremse und Handbremse wurden 07-09/1983 eingebaut, dazu wurden Drehgestelle mit Bremseinrichtung mit einem Güterwagen getauscht
- Wagen hatte zunächst keine Heizung, wurde nur im Sommer eingesetzt, Nhz-Dampfheizung wurde 1962 eingebaut, 7-9/83 auf Nuhz umgebaut
- ab ca. 1962 waren die Oberlichtfenster außen mit Blechen abgedeckt
- war der letzte Wagen, der 1984 noch Holzlattensitze besaß
- 11/93 bei der letzten Hauptuntersuchung durch die DR glücklicherweise nicht auf Rollenlager umgebaut, dadurch sind die originalen Gleitlager und die Speichenradsätze erhalten geblieben
Der Rekonstruktion entgangen
Ab August 1980 wurden die Wagen des Molli rekonstruiert. Dabei wurden die alten hölzernen Wagenkästen mit den Fallfenstern komplett abgerissen und durch Neubauten aus Stahl mit Klappfenstern ersetzt. Auch die gesamte Inneneinrichtung wurde erneuert, sie war danach zwar wartungsfreundlich aber spartanisch anzusehen. Diese Maßnahme war unumgänglich, um die stark verschlissenen Wagen zukünftig wirtschaftlich und sicher weiter einsetzen zu können.
Um dem Denkmalscharakter der Bahn gerecht zu werden, sollten einige Wagen im Ursprungszustand erhalten bleiben, um später als Traditionszug das frühere Aussehen der Fahrzeuge zu dokumentieren. Der Wagen 990-203 kam wegen seiner noch vorhandenen Holzbestuhlung dazu besonders in Betracht. Die damalige Interessengemeinschaft Eisenbahngeschichte IGEG und einige engagierte Mitarbeiter der DR waren hier federführend. Die IGEG begann auch mit der Restaurierung der Fahrzeuge, speziell die Innenräume. Sodann wurden mit den Traditionswagen erste Sonderfahrten organisiert.
Restaurierung
- 8/81 Begehung „Traditionswagen 203“ mit IGEG und AW
- 1982 Festlegung von 4 Sitzwagen für einen künftigen Traditionszug, Wagen 14 war dabei
- 1982 Beginn der Restaurierung
- Demontage und Aufpolieren der alten Lattensitzen, der Außentüren und sämtlicher Beschläge
- Reparatur der alten Originalteile: Messing-Fensterrahmen, Fenster-Aufrollautomatiken, Bühnen-Fallgitter, Türschlösser, Messinglampen
- Entfernen der Innenverkleidung aus Faserplatten sowie Freilegung und Reinigung der alten Holzfüllungen
- Neuanfertigung von zwei Stirn- und einer Mittelwand
- Freilegung der Oberlichtfenster und Einsetzen von Ornamentglas
- Einbau von vier Lüftern
- Beschaffung von Gardinen und Lederriemen für die Fenster
- Verlegung eines neuen Fußbodenbelages
- Neuanfertigung von Abdeckblechen für die Heizung und von geknüpften Gepäcknetzen mit ihren Gusskonsolen nach Vorlagen
- 9/83 Einbau von Bremse und Heizung im Rahmen einer R0 im RAW
- 7/86 R4-Hauptuntersuchung und Instandsetzung im RAW Wittenberge, WA Perleberg an Rahmen, Drehgestellen, Speichenrädern und Gleitachslagern; Teile der Holzkonstruktion und der Außenbeblechung neu, übrige Teile aufgearbeitet, neue Lackierung des Wagenkastens, Decken des Daches
- Komplettierung von Zierlinien und Beschriftung in Bad Doberan
- Aufbau der Dachlüfterattrappen
- Anbringen der Bierlasur an den Innenwänden sowie der historischen Außenbeschriftung
- Ausstattung mit zahlreichen Details (z.T. Originalteile): Notbremsgriff, Heizungsregler, Gardinen, Emaille-Schildchen, Aschenbecher
- 4. Juli 1986 Fertigstellung des historischen Wagens Nr. 14 zum 100. Geburtstag des Molli
Warum wurden Heizung und besonders die Bremse nachgerüstet?
Da in der DDR Ferienplätze an der Ostsee im Sommer und Winter stark begehrt waren und der Berufsverkehr immer noch stark mit öffentlichen Verkehrsmitteln abgewickelt wurde, hatte der Molli ganzjährig ein recht hohes Verkehrsaufkommen. Daher war eine Vorhaltung von einzelnen Wagen ohne Heizung nur für den Sommerbetrieb wenig sinnvoll.
Da der historische Wagen Nr. 14 nach seiner Restaurierung auch für Sonderbestellungen verwendet werden sollte, war die fehlende Bremsanlage hier von großem Nachteil. Eine Einstellung am Zugschluss war nicht zulässig und die Bereitstellung auf dem Bahnhof erforderte immer besondere Sicherungsmaßnahmen gegen ein Wegrollen.
Beteiligte an der Restaurierung
DR, RAW Wittenberge, WA Perleberg
Interessengemeinschaft Eisenbahngeschichte IGEG, ab 1999 VTM
Rat des Kreises Rostock Land, Abt. Kultur
Gießerei Barth, VEB Metall Wendelstorf, VEB Schiffsversorgung Rostock, VEB Schaltanlagen-bau Kühlungsborn, LPG Bastorf, Fa. Schmidt, Modellbau, Rostock
Fr. Stein, Hr. Baumgart, Hr. Busch
Ganz besonders erwähnt werden muss an dieser Stelle jedoch der ehemalige Vorsitzende des Vereins zur Traditionspflege des Molli e.V. Hr. H.-U. Pfeiffer, der viele Einzelteile sicherstellte bzw. nachfertigen ließ, sich viel Wissen um die Historie aneignete und mit sehr viel Mühe, Sachverstand, Fleiß und Engagement an dem Projekt arbeitete.
Bilder des Wagens:
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Hier steht der Wagen voch im Regelverkehr im Einsatz, gut u erkenen, die fehlende Bremse! Foto: Slg. R.Dröse |
Liebevoll restauriert,
die Details des Wagens:
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