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Großraum-Gepäckwagen 996-006

Der neue Großraum-Gepäckwagen 996-006 am Tag der Anlieferung vom DLW Meiningen (04.06.2008) auf dem Bahnhof Bad Doberan

Geschichte, Technische Daten: 

  • 1989 gebaut vom VEB Waggonbau Altenburg
  • ursprünglich Flachwagen, 11,00 m lang, 30 t Tragfähigkeit
  • Erwerb: 1999 durch MBB Molli
  • auf den Gleisen der MBB Molli seit: 28.12.1999
  • Umbau 2007 / 2008 im Dampflokwerk Meiningen
  • heute Großraum-Gepäckwagen, 15,12 m lang, 5 t Tragfähigkeit
  • 4 Achsen in 2 Drehgestellen Bauart Diamond, Rollenachslager
  • Spurweite: 900 mm
  • Gewicht des Wagens: ca. 15 t
  • Bremsanlage: Knorr-Einheitsbremse, Handbremse
  • Fahrzeugbezeichnung: 996-006, KD
  • Anlieferung nach dem Umbau: 04.06.2008
  • offizielle Zulassung: .................

Neue Gepäckwagen für den Molli

 

Die MBB Molli verfügte bisher über 5 Gepäckwagen. Der kleinste von 1902 mit der offiziellen Nummer 996-001 ist, liebevoll restauriert, als PwPost Nr. 82 ausschließlich im 100 jährigen Zug im Einsatz. Von den 4 anderen Fahrzeugen der Baujahre 1913 – 33 teilten sich bisher 3 die Aufgaben im Zugdienst, dagegen ist der 996-003 bereits seit 2000 mangels Bedarfs abgestellt. Die Wagen 996-004 und 005 erhielten im Jahr 2000 bei VIS Halberstadt eine umfassende Aufarbeitung. Dabei wurden u.a. die hinteren Seitenfenster versetzt und ein Notbremsgriff installiert, um schwere Batterierollstühle im Packraum befördern zu können. Wagen 996-002 erhielt seine letzte HU 2002 bei der MBB Molli ohne Modernisierungsmaßnahmen.

 

Das jährlich steigende Aufkommen an zu befördernden Fahrrädern, zuletzt über 11000, begünstigt durch den Ausbau des örtlichen Radwegenetzes, bereitete zunehmend Kapazitätsprobleme. Maximal 20 Fahrräder lassen sich in den vorhandenen Wagen unterbringen. Ein Sortieren nach Aussteigebahnhöfen ist dann aber nicht mehr möglich. Auch für die zunehmenden Anforderungen bei der Rollstuhlbeförderung waren Verbesserungen notwendig, ein Transport im Gepäckabteil stieß zuweilen schon mal auf Kritik.

 

Eine Lösung des Problems war nur durch mehr Ladekapazität und eine andere Raumaufteilung in den Gepäckwagen möglich. Der Einsatz von 2 Fahrzeugen je Zug wie auf der Insel Rügen, schied aus wirtschaftlichen Gründen und mangels geeigneter Fahrzeuge aus. Die begrenzte Bahnsteiglänge besonders in Bad Doberan stellte dabei ein weiteres Hindernis dar.

 

Der Umbau der vorhandenen Gepäckwagen erschien auf Grund des hohen Alters und der fehlenden Zeichnungen und Konstruktionsunterlagen kaum realisierbar. Der Kauf von Fahrzeugen von anderen Schmalspurbahnen, z.B. sächsiche Reko-Packwagen mit 13,52 m Länge über Puffer und anschließender Anpassung der Drehgestelle, der Zug- und Stoßvorrichtung und Bremse wäre gleichsam kompliziert und teuer ausgefallen. Eine völlige Neukonstruktion eines gesamten Fahrzeuges einschließlich Zulassungsverfahren schied wegen des zu erwartenden hohen Aufwandes und der immensen Kosten ebenfalls aus. So stellte sich in der Konzeption als Vorzugsvariante heraus, das Fahrwerk eines Altenburger Flachwagens zu verlängern und einen nach den zu erwartenden Anforderungen gestalteten Aufbau darauf zu setzen.

 

Die MBB Molli hatte 1999 und 2000 insgesamt 4 Flachwagen der Bauart Altenburg vom ehemaligen Tagebaubetrieb Senftenberg von der LMBV erworben. Die zwischen 1987 und 90 gebauten Fahrzeuge waren kaum im Einsatz und somit in sehr gutem Zustand, zudem sehr robust und mit KE-Bremse sehr modern ausgeführt. Die mögliche Zuladung von 30 t versprach ausreichende Stabilitätsreserven für einen Umbau. Ein Fahrzeug war seinerzeit direkt zur VIS Halberstadt gebracht worden und hatte 2005 bereits den Umbau auf die Zug- und Stoßvorrichtung der MBB Molli erfahren. Die Entsprechende Konstruktionsleistung war also bereits erbracht. Die gesamten Zeichnungen und Stücklisten des Flachwagens konnten dazu aus Altenburg und die Papiere zu den Drehgestellen vom Hersteller Waggonbau Niesky beschafft werden.

 

Hauptanforderungen an das neue Fahrzeug waren: Länge über Puffer von ca. 15,00 m um ausreichend Laderaum für ca. 40-50 Fahrräder zu schaffen, die Laderaumtür sollte mittig angeordnet sein, um ein Vorsortieren nach Ausstiegsbahnhöfen zu ermöglichen. Das Dienstabteil sollte größer ausfallen, um auch 2 Rollstühle darin befördern zu können. Dazu waren klappbare Sitze für die Begleitpersonen einzuplanen. Die Schränke sollten an der Stirnwand platziert werden, um die Mittelwand wegklappbar ausführen zu können. Dies schafft die Möglichkeit, bei sehr starkem Aufkommen an Fahrrädern oder mehr als 2 Rollstühlen den Stauraum noch zu erweitern. Die seitlichen Laderaumtüren sollten als bündig schließende Schiebetüren ausgeführt werden. Dabei sollte ein bereits bestehendes und bewährtes Fabrikat zum Einsatz kommen. Das Öffnen soll von außen und innen möglich sein. Eine Bühne an der Stirnwand des Fahrzeuges ist nicht vorgesehen.

 

Geplant ist die Fertigung von insgesamt 2 Fahrzeugen mit den Nummern 996-006 und 007. Der Einsatz ist schwerpunktmäßig in den Sommermonaten Juni bis September vorgesehen. Für die übrige Zeit werden weiterhin die kleinen Wagen 996-004 und 005 vorgehalten, Wagen 996-002 wird vsl. später zum Gerätewagen umgebaut.

 

Das Dampflokwerk Meiningen erhielt den Zuschlag für das erste Fahrzeug. Die Engineering-Leistungen führten die Firmen Cideon und Hörmann aus. Letztere Firma übernahm auch die Baubetreuung. Der für dieses Projekt ausgesuchte Spenderwagen Nr. 2 rollte am 30.04.2007 ins DLW, die Drehgestelle wurden zeitgleich in Vetschau bei TransTec aufgearbeitet.

 

Anfangs durch den G8-Gipfel bedingt, kam es später u.a. bei Zulieferteilen zu Zeitverzögerungen in der Fertigung, sodass der ursprünglich avisierte Termin Anfang März nicht gehalten werden konnte. Der Wagen 996-006 traf in der ersten Juniwoche bei Molli ein und absolvierte anschließend seine Probefahrten. Danach soll mit ggf. erforderlichen Anpassungen aus den Praxistests das zweite Fahrzeug beauftragt werden, was dann vsl. bis zur Saison 2009 zur Verfügung steht.

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Fotos vom Groß-raum-Gepäckwagen 996-006



Ein planmäßiger Molli-Zug mit dem neuen Großraum-Gepäckwagen hinter der Lok.




Schon in den ersten Tagen herrschte großer Andrang beim Be- und Entladen der vielen Fahrräder!



Rollstühle finden in einem Mehrzweck-Abteil Platz, die Verladung erfolgt mittels Anlege-Schienen aus Aluminium




Am 04.06.2008 wurde der Wagen auf allen Gleisen probegefahren und gleichzeitig nach Kühlungsborn West überführt. Als Zuglok diente die V10C des Vereins zur Traditionspflege des Molli e.V.




Der Umbau des Wagens erfolgte im Dampflokwerk Meiningen.
Fotos: C. Fischer, B. Credo



Der Flachwagen Nr. 33 auf dem Bf. Bad Doberan, Das Schwesterfahrzeug Nr. 2 diente als Spenderwagen für den Umbau

 

Alle Fotos dieser Seite,

sofern nicht anders bezeichnet,

von Jan Methling (MBB Molli).

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