Dampflokomotive 99.2322-8
Da es im Winter 2009/10 mal wieder richtig viel Schnee gab, steht hier Dampflok 99.2322-8 im Januar 2010 am Wasserkran auf dem Bahnhof Kühlungsborn West umringt von großen Schneehaufen
Geschichte, Technische Daten:
- 1932 gebaut, Fa. Orenstein & Koppel, Drewitz b. Berlin
- Besteller: Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft für die Strecke Doberan –Kühlungsborn
- Baureihe 99.32
- Gattung K 46.8
- Bauart: 1' D 1' h2t
- Spurweite: 900 mm
- 10,60 m lang, 4 gekuppelte Achsen mit 1100 mm Durchmesser, 2 Laufachsen 550 mm Durchmesser
- Achslast: 8 t
- 2-Zylinder Heißdampf-Lokomotive
- Leistung: 460 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
- Zugkraft auf der Strecke Bad Doberan - Kühlungsborn West: 250 t
- Gesamtgewicht: 42 t
- Vorräte: 1,7 t Kohle; 4,25 m3 Wasser
- Ausrüstung: Druckluftbremse Knorr einlösig mit 2-stufiger Luftpumpe; Druckluft-Läuterwerk BA Knorr, 5 kW-Lichtmaschine mit 85 V für Lok- und Zugbeleuchtung; 2 Strahlpumpen mit 125 l Förderleistung/min; Zentralschmierung BA Bosch; Spurkranzschmierung REBS;
- ursprüngliche Nummer: 99.322, später 99.2322-8
Besonderheiten
- Mit ihren 1100 mm großen Treib- und Kuppelrädern und ihrer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h ist sie neben der 99.6001 der Harzer Schmalspurbahnen die schnellste Schmalspurdampflok in Deutschland!
- Sie wurde nach den Grundsätzen der Einheitslokomotiven in einer Serie von nur 3 Stück speziell für die Strecke Bad Doberan - Kühlungsborn gebaut.
Rekonstruktion unumgänglich
Die 3 Loks der Baureihe 99.32 tragen noch heute die Hauptlast der Zugförderung auf der Strecke Bad Doberan - Kühlungsborn West und das mit einem Alter von fast 80 Jahren! Das längst nicht mehr alle Teile der Lok Originalteile sind, versteht sich da sicherlich von selbst!
Bereits 1982 wurden die verschlissenen Graugusszylinder durch eine Stahlschweißausführung ersetzt. 1997 erhielt die Lok als letzte der 3 Schwestern den 1994 von der Deutschen Reichsbahn neu konstruierten und im AW Görlitz gefertigten Neubaukessel in Stahl-Schweißkonstruktion, nachdem der alte genietete Kessel zunehmend Probleme bei der Aufarbeitung bereitete. Bei dieser Generalinstandsetzung wurden auch neue Vorratsbehälter für Kohle und Wasser gebaut und die Radsätze erhielten neue Radreifen.
Bei der im Jahr 2003 im Dampflokwerk Meiningen durchgeführten Hauptuntersuchung wurde dann ein neu konstruierter Blechrahmen in Schweißkonstruktion eingebaut. Der alte Rahmen hatte sich als ermüdet und abgezehrt erwiesen und war wirtschaftlich nicht länger zu erhalten. Diese Lok war die erste, die diesen Rahmen erhielt. Zusätzlich wurden alle 6 Achsen auf wartungsfreie Rollenachslager umgebaut. Damit könnte man diese Lok durchaus als modernste Schmalspurlok Deutschlands bezeichnen! Der Probebetrieb der Rollenachslager dauerte bis Ende 2006.
Für den Nostalgiefan sei jedoch ausdrücklich darauf verwiesen, dass diese Umbauten äußerlich kaum sichtbar sind. Die Lok sieht nahezu unverändert aus!
Diese sehr kostenintensiven Investitionen, die dankenswerterweise durch das Wirtschaftsministerium des Landes M/V gefördert wurden, bilden die Grundlage, diese Lokomotive zusammen mit ihren Schwestermaschinen noch viele Jahre zur Freude unserer Gäste einsetzen zu können.
Denn mal ehrlich, ... was wäre Molli ohne seine schnaufenden und bimmelnden Dampfloks ...?
Leider bewährten sich die Rollenachslager nicht. Trotz intensiver Suche, mehrfachen Nacharbeiten, teuren Vermessungen konnte kein dauerhaft befriedigendes Laufverhalten der Lok erreicht werden. Möglicherweise ist die Präzision, mit der ein solches Laufwerk hergestellt werden muss unter realen Bedingungen nicht zu erreichen gewesen. Auch wird angestrebt, zukünftig verstärkt Instandhaltungsarbeiten an den Loks in der eigenen Werkstatt vorzunehmen. Dabei würden sich die ungeteilten Rollenlager letztlich als sehr nachteilig erweisen, da sie ohne Abpressen der Räder von der Achse nicht demontierbar sind, was derzeit nur mit Spezialmaschinen im Ausbesserungswerk möglich ist. Darüber hinaus zeigten sich die sehr kompakten Lager als nicht so lange haltbar wie erhofft. Da es Einzelstücke waren, somit kostenintensiv und nicht ständig verfügbar, wurde letztlich der Rückbau beschlossen.
Seit 01.06.2007 ist die Lok wieder mit Gleitachslagern in den 4 angetriebenen Achsen im Einsatz. Die Rollenlager der Laufachsen blieben erhalten.
Fotos aus dem Betriebsalltag der Lok
![]() |
An einem Frühlingsmorgen ist die Lok 99.2322-8 mit einem Zug in Kühlungsborn auf dem Weg nach Bad Doberan ... |
![]() |
Am 07.05.2008 ist die Lok mit dem kurzen 8:28-Zug nach Bad Doberan an der Steilküste unterwegs. Die herrlichen Rapsfelder stehen in voller Blüte. |
![]() |
Nach dem Passieren des Bahnberganges km 4,656 ist die Steigung zur Rennbahn zu nehmen, Lok 99.2322-8 gibt mit ihrem Personenzug im September 2005 richtig Dampf! |
![]() |
992322-8 steht mit einem morgentlichen Zug auf dem mustergültig gepflegten Bf. Kühlungsborn West und wartet auf die Abfahrtszeit. |
![]() |
Im letzten Abendlicht steht die 99.2322-8 in Kühlungsborn West vor dem Lokschuppen - Feierabend für heute! |
Alle Fotos dieser Seite
von Jan Methling (MBB Molli).
Verwendung für kommerzielle Zwecke nur nach Zustimmung des Bildautors!















